Gewalttäter und Kriminelle im NPD-Wahlkampf I: Dirk Bahlmann

Kampagne gegen NPD-Wahlkampf wird bis zum Wahltag über kriminelle Aktivitäten von NPD-Kandidaten informieren – Kandidat aus Löcknitz: Antisemitische und rassistische Gewalt als “einfallsreiche Aktion”

Der Wahlkampf der neonazistischen NPD in Mecklenburg-Vorpommern um den Wiedereinzug in den Schweriner Landtag und die neuen Kreistage geht in die letzte Woche. In einem aktuellen Wahlspot forderte ihr Spitzenkandidat Udo Pastörs: “Politkriminelle anprangern”. Die Kampagne “Wake up – Stand up! Keine Stimme den Nazis in MV!” nimmt ihn beim Wort: In den nächsten Tagen wird sie regelmäßig über die kriminellen und gewalttätigen Aktivitäten der NPD-Kandidaten und -Funktionäre im Bundesland auf ihrer Website aufklären.

“Die NPD ist in Mecklenburg-Vorpommern eine eindeutig neonazistische Partei”, teilt Hanna Wildt mit, Sprecherin der Kampagne “Wake up – Stand up! Keine Stimme den Nazis in MV!”. “Nicht nur zwischen den Zeilen der rechten Propaganda ist der Aufruf zu Stigmatisierung und Gewalt offensichtlich. In der Partei und ihrem Umfeld gilt eine einschlägige Vorstrafe nicht als Fehler, sondern als Auszeichnung.”

Aus aktuellem Anlass verweist die Kampagne gegen den NPD-Wahlkampf auf Dirk Bahlmann aus Löcknitz, der auf Listenplatz 17 und als Direktkandidat der NPD im Wahlkreis Uecker-Randow II antritt. Der Bauunternehmer sitzt für die NPD im Kreistag von Uecker-Randow und im Gemeinderat von Löcknitz. In einem aktuellen Wahlvideo der NPD inszeniert die Partei ihn als “Bürger” in einem Gespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs. Bahlmann – der tatsächlich Arbeitgeber ist – klagt darin über geringe Löhne und fordert “Arbeitsplätze zuerst für Deutsche”.

Die norwegische Zeitung Stavanger Aftenblad berichtete 2008 über Bahlmann, der sich der Beschädigung einer Holocaust-Gedenktafel brüstete: “Das war eine Beleidigung für alle guten Deutschen.” Für die Tat wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Nachdem er sich versichert hatte, dass die norwegische Zeitung nicht jüdisch sei, polterte Bahlmann los. Der Holocaust sei eine jüdische Erfindung und “die Juden” hätten beide Weltkriege begonnen. Heute würden sie über das Finanzsystem die Welt beherrschen. Er dagegen stehe voll hinter Adolf Hitler, zitierte ihn die Zeitung, während sie auf das Hakenkreuz auf seiner Gürtelschnalle hinwies.

Im April 2011 verurteilte das Landgericht Neuruppin Bahlmann wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe. Das Gericht sah es erwiesen an, dass er einen Journalisten als “Judensau”, “Drecksau” und “Drecksack” beleidigt und weiter gesagt hatte: “Wir wissen, wo du wohnst”. Eine beantragte Revision des Urteils ist noch offen. Ein Fernsehteam, das Bahlmann einst mit seiner antipolnischen Einstellung bei gleichzeitiger Arbeit für polnische Auftraggeber konfrontiert hatte, bezeichnete er als “Judenhaufen”.

In Löcknitz kommt es regelmäßig zu Gewalttaten und Übergriffen gegen polnische EinwohnerInnen, Parolen werden geschmiert, Autos beschädigt. Der NPD jedoch gilt Bahlmann als perfekter Amtsträger: “Mit einfallsreichen Aktionen”, heißt es auf ihrer Homepage, “gelang es ihm (…), weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt zu werden.”

In den nächsten Tagen wird die Kampagne “Wake Up Stand Up! Keine Stimme den Nazis in MV” weitere Kandidaten der Partei und deren gewalttätige und kriminelle Hintergründe vorstellen.

Bild: Faksimile aus Stavanger Aftenblad.

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